Feierliche Eröffnugn der Kirche der Drei Hierarchen und Einweihung des Orthodoxen Dialogzentrums „Fanarion“ in Budapest durch Seine Allheiligkeit den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios
Am Samstag, dem 5. September 2026, fanden in Budapest die Thyranoixia (die Öffnung der Türen) der Kirche der Heiligen Drei Hierarchen statt, und das Orthodoxe Dialogzentrum „Fanarion“ wurde durch Seine Allheiligkeit den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios eingeweiht. Seine Allheiligkeit vollzog die Wasserweihe und stand der anschließenden Göttlichen Liturgie vor, an der zahlreiche Hierarchen des Ökumenischen Patriarchates und der Kirche von Griechenland mitwirkten. Zugegen waren der Generalsekretär für Religionsangelegenheiten Georgios Kalaitzis als Vertreter des griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis, Botschafterin Aikaterini Koika als Vertreterin des griechischen Außenministers Giorgos Gerapetritis, der Botschafter Griechenlands in Ungarn Spyridon Voulgaris, der Botschafter Zyperns Omiros Mavromatis sowie Angehörige weiterer diplomatischer Vertretungen. Nach dem Ende der Göttlichen Liturgie wurde ein reiches Kulturprogramm der Schule des Exarchates dargeboten, es wurde ein Film von John Harrison über die Ausmalung der Kirche gezeigt und die Ausstellung „ICON. ΕΙΚΟΝΑ. IKON“ von Georgios Kordis eröffnet. Der Tag klang aus mit der Großen Erzbischöflichen Vesper, der Seine Eminenz Erzbischof Eugenios von Kreta vorstand; im Anschluss fand im Hof des Zentrums ein Empfang statt.
In seiner Ansprache an den Ökumenischen Patriarchen während der Göttlichen Liturgie dankte Seine Eminenz Metropolit Arsenios von Austria und Exarch von Ungarn Seiner Allheiligkeit für dessen Anwesenheit und sagte: „Eine neue Tür öffnet sich, um das kundzutun, was lange Zeit in der Stille herangereift ist. Sichtbar wird eine greifbare Wirklichkeit, die Verwandlung der Erinnerung in Hoffnung und der Geschichte in Verantwortung ist.“ In anderem Zusammenhang betonte er, dass der Ökumenische Patriarch „im Bewusstsein der Gläubigen Träger der Erinnerung und Diener der Einheit ist. In der Person des Patriarchen fasst sich eine Geschichte von Jahrhunderten zusammen, getränkt mit dem Blut der Märtyrer, der Weisheit der Väter, dem Vermächtnis der Ökumenischen Konzilien, dem Gebet und der Geduld der Großen Kirche Christi.“ Zu Beginn seiner Ansprache entfaltete er den Faden der Geschichte, der das Land der Magyaren mit der Mutterkirche von Konstantinopel verbindet: von den Tagen des Bischofs Hierotheos und des Königs Stephan und der Anwesenheit von Griechen wie Simon Sina und Georgios Zaviras in Budapest bis in unsere Tage. Er verwies auf die jüngere Geschichte des Exarchates, das zur Wiege einer vielsprachigen Gemeinschaft wurde und, im Bewahren des ungarischen Kulturerbes, von seinen ersten Schritten an ein reiches und vielgestaltiges Werk vorzuweisen hatte. Wörtlich sagte er: „Heute dienen wir Gemeinden verschiedener Sprachen, bewahren wir das orthodoxe Kulturerbe Ungarns, schützen wir Kunstwerke, unterrichten wir, geben wir Bücher heraus, helfen wir den Bedürftigen und nehmen jene auf, die der Krieg aus ihren Häusern entwurzelt hat, in dem Bemühen, ihnen nicht nur ein Dach zu bieten, sondern auch die Gewissheit, dass sie nicht allein sind.“ Sodann erläuterte Seine Eminenz die Bedeutung der Namenswahl für das neue Orthodoxe Dialogzentrum als Verweis auf das ehrwürdige Zentrum der Orthodoxie und als gastlichen und offenen Ort der Begegnung und der Bildung an der Schwelle zwischen Ost und West. Anschließend sprach er über den Verlauf der Restaurierungs-, Planungs- und Bauarbeiten, die das Ergebnis der Mühe vieler Menschen waren, denen er eigens dankte, und die unter dem Schutz der allheiligen Gottesgebärerin und der heiligen Drei Hierarchen standen.
Voll Dankbarkeit führte er aus: „Wir wenden uns Ungarn zu. Wir danken dem ungarischen Staat und dem edlen ungarischen Volk für die großzügige Unterstützung und das Vertrauen, mit dem sie dieses Werk umgeben haben. Wir betrachten diese Gabe weder als Gegenleistung für einen alten Verlust noch als Entschädigung, sondern nehmen sie als Vertrauen an. Wir sind überzeugt, dass eine Tradition, die seit mehr als tausend Jahren in diesem Land verwurzelt ist, nicht allein ihrer Vergangenheit gehört, sondern auch ihre Zukunft bauen kann. Auf dieses Vertrauen müssen wir mit Dienst antworten.“ Abschließend sagte er: „Von morgen an möge sich dieses Gebäude füllen mit Leben, Gebet, Büchern und Wissen, mit Musik und Kunst, mit Kindern und Jugendlichen, mit Wissenschaftlern, Klerikern, Künstlern, Pilgern, Fremden und Freunden; es mögen Begegnungen von Mensch zu Mensch geschehen, aus dem Osten und aus dem Westen, von Erinnerung und Zukunft, von Kultur und Glaube; es mögen Fragen aufbrechen und, wenn Gott es segnet, Antworten gegeben werden.“
In seiner Ansprache brachte Seine Allheiligkeit die Dankbarkeit der Mutterkirche gegenüber dem ungarischen Staat und dem edlen Volk Ungarns zum Ausdruck und dankte der vorherigen wie auch der jetzigen Regierung Ungarns für ihren entscheidenden Beitrag zu diesem Vorhaben, für eine großherzige materielle Gabe und einen Erweis des Vertrauens, der ihre Namen in die Annalen der Geschichte der Großen Kirche von Konstantinopel und in die Herzen der Millionen Glieder ihrer weltweiten christlichen Gemeinschaft einschreibt. Er sprach die Gewissheit aus, dass Gott es „euch nach eurem Herzen vergelten wird für all das Gute, das ihr für das Dialogzentrum ‚Fanarion‘ getan habt, auf dass im geschichtsträchtigen und gesegneten Ungarn und auf dem ganzen Erdkreis Sein allverehrter Name verherrlicht werde“.
Sodann verwies Seine Allheiligkeit auf die Schutzpatrone des Zentrums, die heiligen Drei Hierarchen Basilios den Großen, Gregor den Theologen und Johannes Chrysostomos, und hielt fest, dass nach den Vätern „der verschlossene Mensch für sie eine im höchsten Maße entfremdete Gestalt menschlichen Seins darstellt … Dies bestätigt sich auch daran, dass unsere großen Theologen den gesellschaftlichen Gehalt der Freiheit besonders hervorgehoben haben, die Gerechtigkeit, die Brüderlichkeit und die Solidarität, die ungeteilte Einheit der Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten, zum Mitmenschen und Bruder“. Zugleich lenkte er die Aufmerksamkeit darauf, dass der Mensch die Dimension des Transzendenten nicht gleichgültig übergehen dürfe, da dies Folgen für die Entwicklung der Kultur habe. Er erläuterte: „Der Bezug auf Gott ist eine Quelle der Inspiration, er schärft unseren Sinn für das Gebotene und das Zu-Tuende und stärkt das menschliche Bemühen, auch dann, wenn es vor schwer lösbaren Problemen und unüberwindlichen Hindernissen steht.“
Vor den geladenen Gästen legte Seine Allheiligkeit dar: „Das Ökumenische Patriarchat hat gegen die Beschneidung der menschlichen Person in ihren vielfältigen Formen gekämpft und kämpft weiterhin dagegen; es brandmarkt den Rassismus, die Diskriminierungen und die modernen Formen der Sklaverei und widersetzt sich jenen Kräften und Tendenzen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt untergraben.“ In diesem Zusammenhang merkte er überdies an: „Leider führen heute gewollte Missdeutungen, die Bezeichnung der Menschenrechte von Seiten der nichtchristlichen Religionen als ‚Trojanisches Pferd des Westens‘ mit dem Ziel kultureller Vorherrschaft sowie Einwände hinsichtlich der Aushöhlung ihrer gemeinschaftlichen Traditionen durch den westlichen Individualismus zu lautstarken Infragestellungen der Menschenrechte als ‚universalem humanistischem Maßstab‘.“ In diesem Sinne erklärte er, dass der Dialog über die Menschenrechte den Religionen die Gelegenheit gebe, ihre humanistischen Grundüberzeugungen einzubringen, und dazu beitrage, die Bedeutung der theologischen Betrachtungsweise für deren tieferes Verständnis herauszustellen.
Wie er hervorhob, schwächen der Rückgang der religiösen Orientierung und das Vergessen der geistlichen Dimension das Empfinden für die Unantastbarkeit der Würde des Menschen und für die Achtung seiner Rechte. An dieser Stelle rief Seine Allheiligkeit die Anwesenden dazu auf, die recht verstandene Religiosität nicht mit dem Fundamentalismus zu verwechseln, der deren krankhafte Ausprägung darstellt. Die Religion sei eine Kraft des Friedens, erklärte er und wiederholte jene Position, die er seit vielen Jahren vertritt: „Krieg im Namen der Religion ist Krieg gegen die Religion.“
Er stellte jedoch klar, dass der Begriff der christlichen Freiheit nicht mit dem Begriff der autonomen Freiheit im Rahmen der Moderne verwechselt werden dürfe, und sagte: „Die Sendung der Kirche besteht nicht darin, die heutige Welt mit dem ‚sündigen Ninive‘ gleichzusetzen und, wie der Prophet Jona, ihre Bestrafung und ihren Untergang zu fordern. Gefragt ist nicht die Ablehnung, sondern der Beitrag zur Verwandlung der Welt, die Teilhabe und nicht die Enthaltung, der Dialog und nicht der unfruchtbare Widerspruch.“ Die Orthodoxe Kirche ist weder nach innen gekehrt und ethnozentrisch noch ablehnend gegenüber dem Dialog mit der übrigen christlichen Welt und den anderen Religionen, noch gleichgültig gegenüber der Begegnung mit der heutigen Welt. So wenig sie sich innerhalb der Mauern mit dem Lob für die unerschütterliche Treue zur Tradition und für die echte orthodoxe Gesinnung begnügen darf, so wenig darf ihr von außen mit dem kritischen Vorbehalt gegenüber einer vermeintlich „geschlossenen“ Orthodoxie begegnet werden.
Zuletzt brachte er den Wunsch der Mutterkirche zum Ausdruck: „Diesen Geist und dieses Ethos des Ökumenischen Patriarchates wird das Dialogzentrum ‚Fanarion‘ in Budapest verkörpern, vertreten und zum Ausdruck bringen. Das ‚Fanarion‘ wird bezeugen, dass die Orthodoxie nationale und kulturelle Schranken sowie äußere und andere partikulare Identitätsmerkmale überschreitet, innerhalb der ‚Neuheit des Lebens‘ und der ‚Weite der Freiheit‘ des Glaubens an Christus. Im Zentrum des historischen Budapest öffnet sich nunmehr ‚ein Fenster zur Ökumene‘. Hier wird die Theologie mit der Kultur sprechen, mit der Wissenschaft, mit den großen existenziellen Fragen, den Visionen und Hoffnungen des heutigen Menschen.“ Er sah in dieser Entwicklung die Krönung eines mehr als zehnjährigen Weges der Beziehung des Ökumenischen Patriarchates zum ungarischen Volk, der mit der Heiligsprechung der heiligen Hierotheos und Stephan im Jahr 2000 begonnen hatte.
Abschließend sprach Seine Allheiligkeit Seiner Eminenz dem Metropoliten von Austria und Exarchen von Ungarn sowie dessen Weihbischöfen Paisios von Apameia und Maximos von Ariste das väterliche Lob der Mutterkirche aus und dankte allen, die zum Gelingen des Werkes beigetragen haben.
Nach der Göttlichen Liturgie wurde im Hof des Orthodoxen Zentrums ein Film von John Harrison über die Ausmalung der Kirche der Drei Hierarchen und der Kapellen des Zentrums durch den renommierten Ikonenmaler Georgios Kordis und seine Mitarbeiter gezeigt. Eingefügt war ein Kulturprogramm der Schule „Familie“ des Exarchates in Keszthely mit traditionellen Liedern der Region sowie ein Beitrag einer kleinen Gruppe von Kindern aus der Ukraine. Es folgte die Eröffnung der Auftaktausstellung „ICON. ΕΙΚΟΝΑ. IKON“ mit ausgewählten Werken von Georgios Kordis; zu diesem Anlass erschien ein eigener Katalog mit der Vorstellung der Werke.
Am Nachmittag desselben Tages wurde die Große Erzbischöfliche Vesper gefeiert, der Seine Eminenz Erzbischof Eugenios von Kreta vorstand. Sie wurde, wie schon die Göttliche Liturgie am Vormittag, auf Ungarisch vom Chor des Exarchates und auf Griechisch vom Chor der Heiligen Metropolis von Austria gesungen, der eigens zu diesem Zweck aus Wien angereist war. Anschließend fand im Hof des Zentrums ein Empfang statt, bei dem sich Gelegenheit zu Begegnung und Gespräch bot.
Fotos: Ficsor Márton
